Kundenportrait.

Cityprint Moskau.

Zu behaupten, Cityprint in Moskau hätte nie vor Herausforderungen gestanden, wäre eine glatte Lüge: Mehrmals hatte die Druckerei mit Schwierigkeiten zu kämpfen – und kehrte jedes Mal gestärkt aus den Krisen zurück. Ihr Erfolgsrezept: Wenn du etwas machst, dann mach es richtig.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Flexibel. Wenn man Alexander Evseev, den Gründer und Vorstand von Cityprint in Moskau, mit nur einem Wort beschreiben müsste, wäre es vermutlich dieses. Denn Flexibilität ist eine der Eigenschaften, die Evseevs Leben maßgeblich bestimmt haben und immer noch bestimmen.

„Cityprint feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum – für ein russisches Unternehmen ist das eine ziemlich lange Zeit“, sagt Evseev und lacht. „Ohne Anpassungsfähigkeit hält man nicht so lange durch.“ Wobei Anpassungsfähigkeit eine sehr zurückhaltende Formulierung für die Entwicklung von Cityprint ist. Denn 1992, als Evseev zusammen mit einem Partner den Grundstein für das Unternehmen legt, ist von einer Druckerei noch keine Rede. „Wir waren damals eher eine klassische Kommunikationsagentur und haben Druckaufträge vermittelt“, erklärt Evseev.

Die Liberalisierung der Wirtschaft und die Einführung von Marktverhältnissen in Russland führten zu dieser Zeit zu einer großen Nachfrage nach Werbeprodukten. Die Schwierigkeit dabei: Hauptlieferanten der Druckprodukte waren die wenigen ehemaligen sowjetischen Großdruckereien, die weder auf den Wandel vorbereitet waren noch mit ihm Schritt halten konnten. Cityprint und andere Dienstleister beschränkten sich also darauf, gegen Provision Aufträge von Kunden mit den Druckereien abzuwickeln. Ein durchaus einträgliches Geschäft, das allerdings nicht ganz risikofrei war: „Es gab keinerlei Verlässlichkeit hinsichtlich der Termintreue oder der Qualität der Druckerzeugnisse“, erklärt Evseev. Also beschließt Cityprint nach zwei Jahren reiner Vermittlungstätigkeit, selbst ins Druckgeschäft einzusteigen, um den Kunden Kontinuität garantieren zu können.

„Viele Kunden haben nur noch entfernt mit der Druckbranche zu tun. Daher sind wir eher Berater als reine Dienstleister.“

Alexander Evseev
Präsident und Gründer, Cityprint, Moskau

Qualität ist kein Selbstläufer

Mit der ersten Einfarben-Offsetmaschine entstehen 1994 Formulare, Visitenkarten, Briefumschläge. Nur zwei Jahre später druckt die erste Heidelberg GTO 52-1 bei Cityprint. „Erst in dieser Zeit haben wir uns allmählich von Amateuren zu Profis entwickelt“, gibt Evseev zu. In den folgenden zehn Jahren wächst das Unternehmen rasant: Die Mitarbeiterzahl steigt von 25 auf knapp 90, im Drucksaal produzieren mehrere neue Speedmaster Broschüren, Magazine, Kataloge und Geschäftsdrucksachen. „Allerdings“, sagt Evssev, „gab es nach wie vor keine klare Strategie. Stattdessen agierten wir nach dem Motto ‚Es läuft, wie es läuft‘.“

Gute Qualität zu einem günstigen Preis anzubieten ist zu dieser Zeit das simple Verkaufsargument von Cityprint. „Aber es gab niemanden, der unsere Kunden aktiv beraten, ihnen die Vorteile höherer Qualität erklärt hat.“ Das rächt sich kurz darauf, als die Umsätze infolge der Wirtschaftskrise 2008 massiv einbrechen. Nur knapp schrammt Cityprint an der Pleite vorbei, interne Querelen im Management erschweren die Situation zusätzlich.

Phoenix aus der Asche

„Letztendlich hatte diese Krise aber eine reinigende Wirkung“, sagt Evseev. „Wir haben uns auf unsere Kernkompetenzen fokussiert und zudem eine Strategie entwickelt, die unsere Qualität in den Vordergrund stellt.“ Und die lautet schlicht: Wir wollen die Besten sein. Das schlägt sich beispielsweise in einer Speedmaster XL 106-8-P LE UV nieder, bei der Installation vor zwei Jahren die einzige Maschine dieser Art auf dem russischen Markt. Bis 2021 soll der Umsatz auf eine Milliarde Rubel anwachsen (rund 14 Mio. Euro).

„Hi-Im-Press“ lautet dementsprechend das Motto von Cityprint: drucken, um zu überzeugen. Keine einfache Aufgabe: Das Gesetz in Russland sieht vor, dass staatliche Unternehmen und solche mit staatlicher Beteiligung – also die überwiegende Mehrheit der Großunternehmen – Anschaffungen grundsätzlich über Ausschreibungen zur Disposition stellen. Die Folge ist ein erbitterter Preiskampf, der meist im krassen Widerspruch zu qualitativ hochwertigen Produkten steht.

„Aber wir haben es dennoch geschafft, einen Kreis von Auftraggebern zu bilden, die unsere Produkte zu schätzen wissen und bereit sind, exklusiv bei uns drucken zu lassen“, sagt Evseev stolz. Für Kyrill I., den Patriarchen der russischorthodoxen Kirche, druckte Cityprint etwa besonders aufwendige Bücherserien mit 50, 500 und 5 000 Exemplaren Auflage. Der Patriarch überreichte unter anderem dem russischen Präsidenten Putin und dem französischen Präsidenten Hollande ein Exemplar als Geschenk.

Alles dreht sich um die Mitte

Rund 80 Prozent der Aufträge kommen von Stammkunden, etwa die Hälfte des jährlichen Umsatzes in Höhe von rund 400 Millionen Rubel (rund 6 Millionen Euro) verdient Cityprint mit großen russischen und ausländischen Unternehmen aus verschiedenen Branchen, etwa Gazprom, Kaspersky Lab, Volvo, Scania oder der Hubert Burda Mediengruppe. Aber alle stammen weitgehend aus derselben Region: Moskau. „In Russland ist das Ungleichgewicht zwischen dem Zentrum und dem restlichen Land sehr deutlich ausgeprägt“, erklärt Evseev. „Rund 85 Prozent des für uns relevanten Druckvolumens stammen aus der Hauptstadt und dem direkten Umland.“

Dementsprechend konzentriert Cityprint seine Marketingaktivitäten für 33 Bücher, Kataloge und Magazine der Premium-Klasse fast ausschließlich auf das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. In Sachen Qualität und Prozessstrategie hingegen legt Alexander Evseev großen Wert auf Internationalität. „Eine ISO-9001-Zertifizierung ist in Europa nichts Besonderes“, gibt er zu, „aber hier in Russland sind wir eine der wenigen Druckereien, die dieses Label tragen. Und das bereits seit 2012.“ Seit drei Jahren arbeitet das Unternehmen zudem nach dem Lean-Prinzip, regelmäßige Qualitätsklausuren sorgen für hohe Standards.

Kommunikation ist alles

„Aktuell optimieren wir einzelne Produktionsbereiche, in erster Linie direkt an den Druckmaschinen. Mithilfe verschiedener Maßnahmen, die unter anderem auf den Informationen aus den Systemen der Betriebsführung beruhen, konnten wir im vergangenen Halbjahr den Ausstoß an Druckbogen um rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöhen“, sagt Evseev. Vor allem den Methoden der sogenannten Engpasstheorie, die sich hauptsächlich mit der sinnvollen Planung und Lenkung von Aufträgen beschäftigt, als auch der Einführung des neuen Anreizsystems für Mitarbeiter schreibt Evseev diesen großen Erfolg zu.

Aber auch simple Kommunikation, abseits von Zahlen und Daten, sorgt bei Cityprint für Effizienz: „Für die meisten Produkte gibt es ein sogenanntes Pre Production Meeting, kurz PPM. Bei diesem Treffen besprechen wir alle Produktionsaspekte, formulieren präzise die technischen Anforderungen und machen unseren Ansprechpartnern Vorschläge, wie man eine Aufgabe optimal lösen könnte. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil viele Kunden heute nur noch entfernt mit der Druckbranche zu tun haben“, sagt Evseev. Im Vergleich zu früher sei daher viel öfter Aufklärungsarbeit und auch Überzeugungsarbeit zu leisten. „Wir sind eher Berater als reiner Dienstleister“, sland die tägliche Arbeit von Druckereien bestimmt. Aber diese Art von Flexibilität stellt Cityprint gewiss nicht vor größere Herausforderungen.

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