Perspektive.

Megatrend nachhaltige Verpackungen: Türöffner für Wachstumsmärkte.

Handelsketten, die Plastiktaschen aus ihrem Sortiment verbannen, oder Drogeriemärkte, die Shampoo in Seifenform und in Faltschachteln verpackt anbieten. Der Trend zu nachhaltigen Verpackungen ist unübersehbar. Verbraucher stehen vor allem Plastik kritisch gegenüber. Können sich Faltschachteldrucker beim Thema Nachhaltigkeit also bequem zurücklehnen? Ganz und gar nicht, ist Harald Woerner, Produktmanager für Nachhaltigkeit bei Heidelberg, überzeugt. Das zeigen der Blick nach China und aktuelle Umfragen unter Markenherstellern und Händlern. Im Interview erläutert er, wie Verpackungsdrucker zugleich ihre Umweltfreundlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit steigern können.

Laut einer Umfrage von Smithers Pira*1 im Auftrag von Pro Carton unter europäischen Markeninhabern und Händlern gaben in 2017 stolze 96 Prozent an, nachhaltige Verpackungen seien wichtig für den Umsatz am Point-of-Sale. Werden Unternehmen im FMCG-Sektor künftig noch um umweltfreundliche Verpackungskonzepte herum kommen?

Wohl kaum. Denn Plastik im Essen durch die Vermüllung der Umwelt, Ernteausfälle infolge des Klimawandels sowie sieben Millionen Menschen, die jedes Jahr weltweit durch Luftschadstoffe sterben, haben Verbraucher und Regierungen wachgerüttelt. Umweltschutz ist kein Randthema mehr, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen - und damit zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden. Das zeigt Wirkung: Vielen Unternehmen reicht es nicht, Plastikverpackungen durch umweltfreundliche Alternativen wie Schachtel aus Karton zu ersetzen. Sie gehen einen Schritt weiter: So stellen beispielsweise die deutschen Handelskonzerne Edeka und Rewe bis 2020 und die britische Supermarktkette Target bis 2022*2 die Papierverpackungen der Eigenmarkenprodukte schrittweise auf umweltfreundlichere Alternativen um, um ihr Markenimage zu verbessern. Das erzeugt Handlungsdruck beim Wettbewerb.

Entwickeln sich transparente Nachhaltigkeitsprofile bei den Verpackungsdruckern zu Zugangsvoraussetzungen für die Lieferketten der Konsumgüterindustrie?

Der Trend geht sicherlich in diese Richtung. Der Kosmetikkonzern L’Oreal beispielsweise nimmt an der Klimaschutzinitiative Carbon Disclosure Project (CDP) teil. Die Zulieferer müssen ihren CO2-Ausstoß dokumentieren und verringern. Diese Werte können in der CDP-Datenbank, der weltweit größten Datenbank zu Klimadaten von Unternehmen, abgefragt werden. Auch in China gibt es mittlerweile eine Umweltdatenbank. In dieser kann die Bevölkerung online nachschauen, welche Fabrik die Umweltauflagen gebrochen hat. Unternehmen wie Apple, Adidas oder Walmart nutzen die Daten und machen davon Auftragsvergaben abhängig.*3


Besonders umweltfreundlich sind Kartons aus Frischfasern aus nachhaltiger Forst­wirtschaft wie zum Beispiel FSC- oder PEFC-zerti­fizierte Materialien.

Apropos China: Sie waren unlängst dort und haben Verpackungsdruckereien in punkto Nachhaltigkeit beraten. Vor welchen Herausforderungen stehen die Betriebe?

Die Regierung verschärft wegen der hohen Umweltverschmutzung permanent die Grenzwerte für den Schadstoffausstoß. Verpackungsdruckereien müssen vor allem die Emissionen reduzieren. Für jedes Kilo Schadstoffe, das bei der Produktion in Luft und Wasser freigesetzt wird, ist eine Umweltabgabe zu bezahlen. Um Verstöße gegen die neuen Vorschriften aufzudecken, setzt die Regierung mehr als 7.000 Inspektoren ein. Die große Herausforderung für Druckereien: Sie müssen mehr produzieren bei deutlich weniger Emissionen.

In der Branche herrscht ein enormer Preisdruck. Eine nachhaltige Verpackung sollte daher bestenfalls nicht mehr kosten. Wie ist das zu schaffen?

Gleichzeitig Nachhaltigkeit und Produktivität zu steigern, ist kein Gegensatz. Die drei Kernpunkte in der nachhaltigen Druckproduktion sind die Reduktion der VOC-Emissionen und Makulatur sowie des Energieverbrauchs durch effiziente Prozesse und Maschinen. All dies trägt auch zu einer höheren Wirtschaftlichkeit bei.

Wo sind die größten Quick-Wins?

Bei der Produktion hat der Karton den größten CO2-Fußabdruck. Er ist zugleich der teuerste Rohstoff beim Druck. Besonders umweltfreundlich sind Kartons aus Frischfasern aus nachhaltiger Forstwirtschaft wie zum Beispiel FSC- oder PEFC-zertifizierte Materialien sowie solche mit einem hohen Recyclinganteil.


Die automatische Voreinstellung der Farbzonen sowie das Einrichten mithilfe der Farbmess­systeme führen zu einer Makulaturreduktion von bis zu 150 Bogen pro Jobwechsel

Und wie lässt sich Makulatur einsparen?

Durch standardisierte Abläufe und Verbrauchsmaterialien sowie eine hohe Automation. Voraussetzung zum Erreichen der Färbungsziele auf Knopfdruck ist ein Print Color Management und eine zentrale Datenbank, auf der für jeden Auftrag die exakten Farbdaten und Parameter bereit stehen. Die automatische Voreinstellung der Farbzonen sowie das Einrichten mithilfe der Farbmess- und Farbregelsysteme führen zu einer Makulaturreduktion von bis zu 150 Bogen pro Jobwechsel. Prinect Image Control 3 überprüft die Werte im gesamten Druckbild und regelt sogar zuverlässig den Deckweißauftrag. Verpackungsdrucker, die metallische, farbige oder transparente Materialien bedrucken, sparen pro Auftrag zwischen 400 und 500 Makulaturbogen ein. Prinect Inpress Control 2 misst Farbe und Passer inline bei laufender Maschine und erkennt kleinste Fehler bei maximaler Fortdruckgeschwindigkeit. Durch navigiertes Drucken, bei dem das Prinect Workflowsystem die Produktionsschritte intelligent miteinander vernetzt und automatisiert, werden manuelle Eingriffe und damit die häufigsten Fehlerquellen im Druckprozess, deutlich reduziert.

Was trägt zu einem geringeren Schadstoffausstoß bei?

Hier sind Verfahren wie alkoholfreies Drucken und die chemiefreie Plattenentwicklung eine umweltfreundliche Alternative. Eine Schlüsselrolle spielen Verbrauchsmaterialien. Sie sollten nicht nur schädliche Emissionen wie VOC, Ammoniak oder Feinstaub sowie den Einsatz von Chemikalien minimieren, sondern auch die REACH-Verordnung und die Anforderungen an wichtige Umweltzertifikate erfüllen. Genau das tun die Saphira Eco Consumables von Heidelberg. Dazu zählen mineralölfreie Druckfarben, chemiefreie Druckplatten und VOC-reduzierte Feuchtmittel. Außerdem sind unsere Speedmaster Druckmaschinen sparsam im Verbrauch. Beispielsweise verfügen sie über so leistungsstarke Waschprogramme, dass die Waschmittelmenge eines Schnapsglases reicht, um die Druckwerke zu reinigen. Und Druckereien, die mit Prinect Multicolor Sonderfarben im erweiterten Farbraum durch Prozessfarben reproduzieren, können auf Waschvorgänge sogar verzichten.


Mit dem Kauf eines Heidelberg „equipment CO2 neutral“ Zertifikats unterstützen Sie das Wieder­aufforstungs­projekt „Soddo“ von World Vision in Äthiopien.

Welche Maßnahmen helfen, den Energieverbrauch zu senken?

Das geht nur mit energieeffizientem Equipment. Hier schneiden laut einer Studie von Smithers Pira die Maschinen von Heidelberg am besten ab. Unsere Druckmaschinen haben die höchste Nettoproduktivität bei geringerem Energieaufwand. Zusätzlich lassen sich nicht gebrauchte Komponenten bei Maschinenstillstand in einen energiesparenden Standby-Modus versetzen. Auch unsere Trockner haben den höchsten Wirkungsgrad in der Branche: Allein schon das Runddüsensystem senkt den Energieverbrauch um ein Fünftel bis ein Viertel. Weitere Spareffekte entstehen durch die Heißlufterzeugung innerhalb der Maschine und dem geringen Abstand zwischen Trockner und Druckbogen.

Wie unterstützt Heidelberg Verpackungsdrucker dabei, Nachhaltigkeit sichtbar im Markt zu kommunizieren?

Heidelberg bietet entsprechende Logos an. Hinzu kommt: Wenn Betriebe ihre Maschinen von Heidelberg CO2-neutral stellen, dann geschieht dies durch imagefördernde Projekte, die sich gut kommunizieren lassen. Ganz aktuell und medienwirksam ist die Wiederaufforstung eines Berges in Äthiopien nach der Methode „FMNR“ (Farmer Managed Natural Regeneration) von Tony Rinaudo, dem diesjährigen Gewinner des „Right Livelihood Award“ auch bekannt als alternativer Nobelpreis. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung belebt er das Wurzelwerk der ursprünglich gefällten Bäume und macht so den Boden wieder fruchtbar.

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